Wie in Gruppen Dynamik entsteht – eine kleine Geschichte

Dieses Bild ist leider nicht auffindbar.Ich sitze gerade an einer Coaching-Dokumentation und denke plötzlich an ein Erlebnis in unserem letzten Lean Management Projekt. Es sind ja die kleinen Geschichten, die einem in Erinnerung bleiben. 

Autor: Jörg Gottschalk

Projektarbeit im Lean Projekt bedeutet immer Teamarbeit. Aufwendige, anstrengende Teamarbeit. Als beste Lösung hat sich herausgestellt: alle Teilnehmer – manchmal mehr als 10 – mehrere Tage in einem Raum einsperren. Eine solche Vorgehensweise ist zwar sehr zeitaufwendig, es fördert aber die Dynamik und ist oft die einzige Möglichkeit, um eine konstante Team-Besetzung durchzuhalten. Der Alltag klopft ständig an die Tür.

Im ersten Projekt haben wir eine verantwortliche Ärztin zur Projektleiterin ernannt. Ein Projekt in der stationären Aufnahme. Sie hat sich der Aufgabe sehr engagiert und tatkräftig angenommen. Sie blieb aber von Beginn an skeptisch, kritisch, manchmal sogar destruktiv. Sie hat es dem Team schwer gemacht, zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen. Manchmal hatten wir Zweifel, ob die Benennung wirklich eine gute Idee war. Wie oft haben wir darüber diskutiert, ihr diesen Job zu entziehen. Beobachtet haben wir dann zwei Entwicklungen, die wir so nicht vorausgesehen hatten: das Team hat sich verbündet, selbst das Projekt getrieben und sich als Überzeuger der Projektleiterin formiert. Wunderbar kritische Diskussionen. Es hat gedauert, am Ende aber ist das Team zu sehr überzeugenden Ergebnis gekommen. Das Aufnahmezentrum wurde völlig neu gebaut nach den Plänen des Teams, klar orientiert an den neu gestalteten, schlanken Prozessen. Mit ehrgeizigen Zielen und bemerkenswerten Ergebnissen.

Genau diese Projektleiterin war es, die sich während der Eröffnung des Zentrums am stärksten dafür bedankt hat, dass erstmals eine Konzeption nicht nur unter Beteiligung, sondern von den Mitarbeitenden gestaltet wurden. Wer sie kennt, der weiß: das war echt! Der Effekt, der förmlich spürbar war: diese Kollegin engagierte sich später am stärksten darin, all die großen und kleinen Anfangsschwierigkeiten und Hürden der Startphase zu überwinden. Das Projekt wurde ein voller Erfolg.

Die gleiche Kollegin baten wir später, an einem weiteren Projekt teilzunehmen. Nicht als Projektleiterin, aber als methodenerfahrene Betroffene des Prozesses. So war auch die Idee, um Erfahrungen weiter zu geben. Von Team zu Team. Wir waren skeptisch, ob es nicht zu den gleichen Schwierigkeiten kommen würde, wie beim ersten Mal. Nichts davon war der Fall. Sie mauserte sich zum aktivsten Mitglied, zur Treiberin. Die Teams definieren ihre operativen Ziele selbst. Sie war es, die andere zu mehr Ehrgeiz antrieb: da geht doch mehr, wenn wir es konsequent anpacken! Das Team und das Projekt haben ihr viel zu verdanken.

So entsteht Dynamik, denke ich gerade. Nicht Folien, Konzepte und Reden, sondern positives Erleben und die Erfahrung, dass Methoden funktionieren und zu Neuem führen können, dass sich etwas zum Positiven bewegt: das lässt eine stabile Veränderungskultur entstehen.

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