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System – Organisation – Beziehung

Autor: Jörg Gottschalk

Wenn Sie als Führungskraft heute meinen, Sie würden als Kapitän_in auf der Brücke der Organisation Ihr Krankenhaus wirklich lenken, Ziele und Inhalte vorgeben und dann erleben, wie sich Heerscharen von Menschen Ihrem Wort willenlos beugen, leben Sie vermutlich in einer Utopie. Eine komplexe Organisation wie eine Klinik steuert sich weitgehend selbst. Unter der Oberfläche des Sichtbaren werden Tausende von Entscheidungen von Hunderten von Menschen getroffen, nur nicht von Ihnen. Es wird kooperiert, gestritten, Menschen mögen sich oder können sich nicht leiden. Sie stehen miteinander im Wettbewerb und sind doch gleichzeitig voneinander abhängig – hierarchieübergreifend.

Der Eisberg

Organisationen werden säuberlich in Schubladen unterteilt: in Hierarchien, Funktionen und Aufgaben. Es werden Stellenbeschreibungen angefertigt, die detailliert die Aufgaben und die Anforderungen an Positionen und Personen festhalten und verbindlich festlegen. So entsteht ein sehr mechanistisches Bild von Wirklichkeit, die in Wahrheit nicht existiert. Was erkennbar ist, ist nur das, was über der Wasseroberfläche sichtbar ist – die Spitze des berühmten Eisberges. Unter dieser Oberfläche aber spielt sich in jeder Organisation ein reges Leben voller Widersprüche ab, das ungesehen und unerkannt die wahre Größe des Eisberges bestimmt, ebenso wie die Richtung, in die er treibt. Hier, tief verborgen unter der Oberfläche, findet das wahre Leben einer Organisation statt.

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Wer wirksam führen und nicht unnötig seine Kraft und Energie vergeuden möchte, verzichtet gänzlich darauf, diesen riesigen Eisberg gegen seine Schwerkraft anzuschieben oder ihn gar mitzunehmen. Wer wirksam führen möchte, der erkundet, was unter der Wasseroberfläche geschieht. Das wahre Leben unter Wasser zu erkunden und ein Verständnis dafür zu gewinnen erspart Kraft, verhindert Stillstand und Frustration. Der Wissende arbeitet aktiv mit dem Verborgenen. Er schiebt und zerrt den Eisberg nicht, sondern er lässt ihn in die richtige Richtung treiben. Er nimmt nicht mit, sondern er beeinflusst die Richtung.

Das Konzept von Rolle und Person

Jeder Mensch bringt seine gesamte Persönlichkeit und Erfahrung in seine Rolle im Unternehmen ein. Als Person hat er Bedürfnisse, in seiner Rolle verfolgt er Interessen. Beide Bestandteile wirken auf die Beziehungen der Menschen im Unternehmen, und sie bewirken sich selbstverständlich auch gegenseitig. Eine Führungskraft ist in seinem Unternehmen primär in seiner Rolle gemeint, nicht als Person. Ein beruhigender Gedanke, schafft er doch Distanz, und dennoch wirkt er auf den ersten Blick stets irritierend. Im Unternehmen sind Sie nicht mehr Sie selbst, sondern Sie sind Sie in Ihrer Rolle.

Beziehungsmuster

Jede Organisation ist durchzogen von Beziehungen und ihren Mustern. Muster sind z.B. Sympathie und Antipathie, Kooperation und Konkurrenz, Macht und Abhängigkeit. Sie prägen die Interessen, Verhaltensweisen, Stimmungen und die Kommunikation zwischen den Beteiligten und prägen damit das gesamte Gefüge in Ihrer Organisation. Menschen bleiben auch in Organisationen was sie sind. Menschen.

Beziehung, Gefühle, Bedürfnisse und Interessen: für all das ist in unserer „harten“ und „klaren“ Managerwelt wenig Platz, stattdessen geht es vor allem um Strategien, Zahlen, Daten, Fakten und fachliche Diskurse. Eine rationale Welt. Dabei geht nicht  um „wohl wühlen“ und  „gemocht werden“, wenn wir über Harmonie im Team sprechen, es geht um die direkte Wirkung auf Prozesse und ihre Ergebnisse.

Führen ist Beziehungsarbeit mit Ergebnis

Wer als Führungskraft eine Organisation wirksam beeinflussen möchte, wird dieses komplexe Gefüge erkennen und verstehen müssen. Ohne das Wissen, was genau in seinem Verantwortungsbereich vor sich geht, ist eine „wirksame“ Reaktion oder „richtiges“ Agieren unmöglich. Man bleibt blind gegenüber der Realität und den wahren Verhältnissen. Blindflug!

Führungsarbeit ist Beziehungsarbeit, ständig. Warum das so ist, wie Sie diese Beziehungen erkennen, nutzen, beeinflussen oder auch nur nicht in all die Fallen laufen, die sorgfältigst vor Ihnen ausgelegt werden, darum soll es in diesem Baustein gehen.

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Sie erfahren, wie ihre Organisation als System funktioniert und warum Ihre Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeitenden so handeln und reagieren, wie sie handeln und reagieren. Sie erkennen die vorherrschenden Beziehungsmuster wie Sympathie und Antipathie, Kooperation und Konkurrenz, Abhängigkeiten, Hierarchien und Macht. Sie sind in der Lage, zwischen Rollen- und persönlichen Beziehungen zu unterscheiden. Sie werden nicht nur Ihr Bild von der eigenen Organisation und den in ihr wirkenden Menschen verändern, sondern auch Ihr eigenes Handeln.

 

 

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Führung beginnt mit dem grundlegenden Verstehen der eigenen Organisation, ihrem komplizierten Beziehungsgeflecht und den (neuen) Erwartungen, die an Führung gestellt werden. Führungsaufgaben wandeln sich: Kooperation fördern, Konflikte lösen, Transaktionskosten senken, Zukunft gestalten und Mitarbeiter führen sind die Kernaufgaben der Zukunft. Der einsame Kapitän auf der Brücke gehört der Vergangenheit an. Das Buch beschreibt einen neuen Weg, wie ärztliche Führung allgegenwärtige Verschwendung in ihrer Organisation erkennen und mit Hilfe einfacher, aber wirkungsvoller Methoden beseitigen kann. Das Ziel: die eigene Abteilung in einen Prozess der Veränderung führen und dazu beitragen, Qualität und Ergebnis der Abteilung und des Unternehmens kontinuierlich zu verbessern. Wirksam führen ist zugleich Sach-, Geschichten- und Erfahrungsbuch. Kritisch, unterhaltsam und lehrreich. Es schreibt nicht über Führung. Es handelt von Führung. Und es räumt auf mit zahlreichen Führungs-Mythen.

Weitere Informationen und eine ausführliche Leseprobe finden Sie hier.

 

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