Ist Lean zu demokratisch?

Lean Management ist mir zu demokratisch…

Autor: Jörg Gottschalk

… der Einwand eines hochrangigen Konzernlenkers während meines Vortrages hat mich kurz innehalten lassen. Ist es wirklich (zu) demokratisch, wenn Mitarbeiter gemeinsam um Lösungen ringen und auf das Recht pochen, mindestens im Kleinen eigene Entscheidungen zu treffen? Es könnte tatsächlich diesen Anschein erwecken, vor allem dann, wenn auf der Führungsebene eines Konzerns die Sorge herrscht, es könnte parallel an dem Gleichen gearbeitet werden und damit würden diffus unterschiedliche Lösungen entstehen. Beides ist denkbar, aber im Kern beherrsch- und steuerbar.

© MH / fotalia.com

Selbst wenn es so wäre, würde es sich allenfalls um eine Scheindemokratisierung handeln. In jedem Krankenhaus treffen Mitarbeiter minütlich hunderte von Entscheidungen. Nur ein Bruchteil dieser Entscheidungen werden von Führungskräften getroffen. Führende gelten zwar als die Entscheider eines Unternehmens, sie treffen aber nur einen verschwindend geringen Teil dieser Entscheidungen selbst. Würden sie all diese Entscheidungen treffen, würde das System vermutlich zusammenbrechen.

Man könnte also genauso gut annehmen, dass in einem transparenten System der Verbesserung nicht mehr Demokratie herrscht, sondern lediglich mehr transparente Demokratie. Sicher ist, dass Führung heute lediglich einen Bruchteil dieser Entscheidungen überhaupt kennt, ja kennen kann. Transparenz verschafft ihr folglich mehr Einfluss, selbst wenn sich ihre sichtbare Entscheidungstiefe verringert.

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