Krankenhaus-Wunderkinder

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Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht…

… seit Monaten begegnen mir regelmäßig Presseberichte über Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer von Krankenhäusern, die bereits im zarten Führungsalter von unter 30 Jahren Unternehmen mit 100 Millionen Euro Umsatz und mehreren hundert Mitarbeitenden verantworten. Wenn ich diese Beiträge lese, schwanke ich stets zwischen Bewunderung und Verwunderung.

Ich denke zurück an meine Zeit. Mit 29 Jahren war ich Beratungsassistent bei KPMG in Düsseldorf und später in Berlin, kurz vor meiner Ernennung zum Prokuristen und Manager. Bereits für damalige Verhältnisse ein  zartes Alter.

Ich bewundere diese Führungsnachwuchsgeneration, die mit großem Ehrgeiz, enormer Energie und bereits wenige Jahre nach ihrem Studium bereit sind, eine solch verantwortungsvolle Tätigkeit zu übernehmen: Verantwortung für ein ganzes Unternehmen, für hunderte von Mitarbeitenden und … für die medizinische Versorgung tausender von Patienten_innen. Sehr wahrscheinlich hätte ich mir das mit 29 Jahren nicht zugetraut, ja nicht zumuten wollen. Mit absoluter Sicherheit hätte mein Schlaf darunter gelitten.

Verwunderung empfinde ich, weil ich als Krankenhausgeschäftsführer täglich die Komplexität einer Organisation erlebt habe, die sich stetig aufreibt zwischen ärztlich ethischem Anspruch und ökonomisch-organisatorischer Herausforderung. Wechselnde Strategien, finanzielle Herausforderungen, Konflikte, Veränderung … , ich hatte immer den Eindruck, stets mit meinen ganzen Erfahrungen als Mensch, Ökonom und Führender gefordert zu sein, jeden Tag Neues erlebt zu haben und mehr als einmal auch durchaus ratlos da stand. Für eine Weile jedenfalls. Auch versuche ich mir vorzustellen, wie erfahrene und gestandene Chefärztinnen und Chefärzte sich aufgehoben bei und unterstützt fühlen von einem Vorgesetzten / einer Vorgesetzten, die kaum das Alter der eigenen Assistenzärzte_innen erreicht.

Dieses Bild ist leider nicht aufrufbar!Meine Kinder lernen in der Grundschule Dinge, die ich heute (heimlich) in der Sendung Logo! auf KiKa lerne. Angeblich geht es anderen Eltern ähnlich – heimlich natürlich. Es ist Teil von Welt, dass Dinge schneller werden und sich verändern. So steht man selbst niemals still. Aber reicht das als Erklärung für ein Phänomen, dass aus keiner anderen Branche und aus keinem anderen Lebensbereich in diesem Ausmaß bekannt ist? Ausgenommen von Startups natürlich! Oder entwickeln sich hier gerade die neuen „Wunderkinder“ der Branche?

Ich gebe zu: ich vermag nicht so recht an die Wunderkindertheorie glauben. Vielleicht hat es aber mit einer neuen Rolle von Führung in Krankenhäusern zu tun? Mit dem Zeitgeist moderner Führung? Auffällig ist schon, dass es sich offensichtlich um ein Phänomen handelt, dass vor allem bei großen privaten Trägern auftritt. Ich erinnere mich nicht, jemals ähnliche Berichte aus kommunalen oder freigemeinnützigen Krankenhäusern gelesen zu haben. Führung scheint tatsächlich erlernbar zu sein, antrainierbar – auch in jungen Führungsjahren. Aber was genau ist so schnell erlernbar? Führungs- und Organisationskompetenz, Erfahrung im Umgang mit Menschen, Beziehungen leben und gestalten, Konflikte lösen, Gesundheitswesen in seiner Komplexität verstehen und zukunftsfähige Strategien entwickeln?

Vermutlich interpretieren vor allem einige private Krankenhausträger die Rolle von Führung in anderer Weise, als ich es tue. Sie sind ergebnis- und zielorientiert, strukturiert, sie setzen klare Standards und erwarten deren Umsetzung. Ziele werden gesetzt, Pläne geschrieben, Stellenvorgaben, Struktur- und Prozessvorgaben umgesetzt. So zugespitzt geht es um die Exekution des vermeintlich Richtigen. Und es sieht aktuell danach aus, als wäre dieses Prinzip erfolgreich.

Es widerspricht allerdings all dem, was moderne Führung in Theorie und Praxis heute und in der Zukunft ausmacht. Wir leben in einer Welt wachsender Individualität und damit auch individueller Probleme, Technologien entwickeln sich sprunghaft und die Ansprüche an die Veränderungsdynamik ganzer Organisationen nimmt ständig zu. Ich glaube, Führende werden sich künftig weit mehr als gestern als Partner ihrer Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeitenden sehen, die ihren Teil dazu beitragen, dass sich Ideen entwickeln können, Kooperationen gefördert und Konflikte gelöst werden. Dass Veränderung und Verbesserung an vielen Stellen im Unternehmen kontinuierlich, kreativ und schnell möglich werden, die alle Barrieren beseitigen, die einer kontinuierlichen Entwicklung im Wege stehen können.

Asteroids over planet earthMit diesen Gedanken beende ich nun mein Blogjahr 2014 und schreibe strukturiert und planvoll weiter an meinem nächsten Buch, das voraussichtlich im Januar 2015 erscheinen wird.

Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch in das neue Jahr, das ein gesundes, erfolgreiches, aufregendes und erholsames für Sie, Ihre Familien und Freunde_innen werden möge. 

Ihr Jörg Gottschalk

 

 

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